RECRUITING PULSE CHECK 2026
Der Recruiting Pulse Check bietet einen kompakten Überblick über aktuelle Entwick-lungen, Prioritäten und Herausforderungen im deutschen Recruiting-Markt. Die Umfrage ist als Mikro-Studie ausgelegt und beleuchtet alle drei Monate ein spezifisches Thema, zu dem HR/ Recruiting-Verantwortliche aus unterschiedlichen Branchen, Unternehmens-größen und Rollen befragt werden.
Ziel dieser Erhebungen ist es, ein aktuelles Stimmungsbild angesichts der immensen wirtschaftlichen, politischen, demografischen und technologischen Herausforderungen zu liefern: Wie entwickeln sich Budgets? Welche Technologien gewinnen mehr an Bedeutung? Welche Maßnahmen werden priorisiert? Wie sehen Recruiting-Teams zukünftig aus? Und wie unterscheiden sich die Einschätzungen zwischen einzelnen Branchen?
Die sich verschärfenden weltpolitischen Spannungen, steigende Kosten, volatile Markt-dynamiken und eine schwächelnde Konjunk-tur haben eine wirtschaftliche Lage hervor-gebracht, die für den Großteil der deutschen Unternehmen mit großen Unsicherheiten und teils starken Konsequenzen verbunden sind. Dies spiegelt sich auch in der Recruiting-Planung wider. Der Recruiting Pulse Check I Vol.1 zeigt auf Basis von 349 teilgenommenen HR- & TA-Leadern aus unterschiedlichen Branchen, wie stark makroökonomische Entwicklungen derzeit in Personalgewinnung, Budgetsteuerung und Investitionsentschei-dungen hineinwirken und vergleicht dabei die Recruiting-Situation zum Vorjahr. Dabei wird deutlich: Die Auswirkungen sind bran-chenübergreifend deutlich spürbar, treffen die einzelnen Sektoren jedoch in sehr unter-schiedlicher Intensität.
VOL. 1: WIRTSCHAFTLICHE UNSICHERHEITEN UND IHRE FOLGEN FÜRS RECRUITING


Makroökonomische Trends wirken inzwischen klar auf die Recruiting-Planung ein. Über alle Branchen hinweg geben 74 % der befragten HR-Verantwortlichen an, dass wirtschaftliche Ent-wicklungen ihre Planung stark oder sehr stark beeinflussen.
Besonders hoch ist der Druck in den Sektoren Energie/ Versorgung sowie in Industrie/ Produktion, wo die Auswirkungen besonders häufig als sehr stark beschrieben werden. Auch die Logistik- und Transportbranche liegt deutlich über dem Durchschnitt.
Vergleichsweise resilienter zeigen sich IT/Tech und Healthcare/ Life Sciences. Zwar sind auch hier die Effekte spürbar, sie werden jedoch häufiger als moderat eingeordnet.
Das deutet darauf hin, dass wirtschaftliche Unsicherheit zwar fast überall in der Personal-arbeit angekommen ist, die operative Konse-quenz aber stark von Geschäftsmodell, Kostenstruktur und Marktumfeld der jewei-ligen Branche abhängt.


Bei den konkreten Einflussfaktoren zeigt sich ein differenziertes Bild. Inflation/Kostensteige-rung ist mit 64 % branchenübergreifend einer der am häufigsten genannten Treiber. Noch stärker wirken geopolitische Unsicherheiten, die insgesamt auf 74 % kommen.
Auffällig ist, wie unterschiedlich die Branchen einzelne Faktoren bewerten. Energie- und Rohstoffpreise spielen vor allem in Energie/ Versorgung (91 %), Logistik/ Transport (82 %) und Industrie/ Produktion (76 %) eine herausragende Rolle - also überall dort, wo physische Wertschöpfung, Versorgungssicher-heit und Betriebskosten eng miteinander verbunden sind. IT/Tech liegt hier mit 18 % deutlich niedriger, was die geringere direkte Abhängigkeit von Energie- und Material-kosten unterstreicht. Umgekehrt sticht in IT/Tech vor allem die Rezession/Nachfrage-schwäche hervor: Mit 72 % liegt der Wert dort deutlich über dem Gesamtschnitt von 52 %.
Das spricht dafür, dass digitale Geschäfts-modelle zwar weniger rohstoff- und energie-abhängig sind, dafür aber besonders sensibel auf Investitionszurückhaltung, Budgetstopps und nachlassende Wachstumsdynamiken reagieren. Der Industrie-/Produktionssektor zeigt wiederum das breiteste Risikoprofil - mit hohen Werten bei Exportabhängigkeit, Energiepreisen, Geopolitik und Nachfrage-schwäche zugleich.


Die wirtschaftliche Unsicherheit schlägt sich deutlich in den Recruiting-Budgets nieder. Über alle Branchen hinweg berichten 66 % von einem gesunkenen Budget im Vergleich zum Vorjahr, davon knapp jede:r Fünfte sogar von einer deutlichen Kürzung. Erhöhungen bleiben die klare Ausnahme.
Besonders stark trifft es die Sektoren Energie/ Versorgung & Logistik/Transport, wo mehr als drei Viertel der Befragten von reduzierten Budgets sprechen.
Gleichzeitig zeigt sich, dass die Lage nicht völlig einseitig ist: In der Digital- sowie in der Gesundheitsbranche gibt es zumindest nen-nenswerte Minderheiten, die von steigenden Budgets berichten.
Ein Indiz dafür, dass jene Unternehmen von den aktuellen ökonomischen Entwicklungen entweder wenig betroffen sind oder gar hier-von profitieren.


Wie wurde das Recruiting-Budget innerhalb der letzten 12 Monate eingesetzt? Bei der Frage nach dem Investitionsfokus wird deut-lich, dass Automatisierung und HR-Tech mit einem Durchschnitts-Score von 1,45 (0=kein Fokus, 2=starker Fokus) branchenübergreifend die höchste Priorität genießen. Vor allem IT/Tech-Unternehmen setzen hier mit Abstand mit 1,88 den klarsten Schwerpunkt und liegen deutlich über den anderen Branchen.
Dahinter folgen Investitionen in Employer Branding-Maßnahmen (0,99) und Personal-dienstleistungen (0,89). Vor allem im Bereich Healthcare/Life Sciences wird viel auf die Förderung der Arbeitgebermarke gesetzt, während externe Dienstleister bei Logistik-/ Transport-Unternehmen den höchsten Wert haben.
Von gesamtdurchschnittlich geringerer In-vestitionsrelevanz sind direkte, personal-bezogene Themen wie teaminterne Weiter-bildungen (positiv hervorzuheben sind hier die die Branchen IT/Tech und Energie und Versorgung) und Teamausbau sowie die „klassischen“ Recruiting-Kanäle Jobbörsen und Messen/Events.
Kumuliert betrachtet wird in der Gesundheits- und in der Digitalbranche mit 5,91 bzw. 5,27 am meisten investiert, während der Energie- und Versorgungsbereich mit lediglich 3,89 am sparsamsten ist. Dies deckt sich mit den Erkenntnissen aus der allgemeinen Budget-entwicklung. Insgesamt zeigt die Grafik damit eine klare Tendenz: Investiert wird weiterhin, aber selektiv - mit Schwerpunkt auf Maß-nahmen, die unter unsicheren wirtschaft-lichen Rahmenbedingungen unmittelbar Wirkung und Effizienz versprechen.


Bei der Nutzung externer Recruiting-Unter-stützung zeigt sich ein klar differenziertes Muster. Branchenübergreifend haben nur 8 % der Unternehmen innerhalb der letzten 12 Monate keinerlei Personaldienstleistungen genutzt, wobei IT/Tech mit 14 % der in der Hinsicht unabhängigste Sektor ist.
Von den angefragten Dienstleistungen ist die klassische Personalberatung mit 58 % insgesamt die am häufigsten genutzte Form und spielt besonders in Healthcare/Life Sciences sowie in Industrie/Produktion eine große Rolle – Bereiche also, in denen der Bedarf an spezialisierten oder schwer zu besetzenden Profilen besonders hoch ist.
Ebenfalls relevant bleibt die Arbeitnehmer-überlassung (ANÜ) mit 45% im Gesamtschnitt, die aufgrund der hohen Einstellungsschwan-kungen und des Bedarfs an Facharbeitern in den Branchen vor allem in Industrie und Produktion und Logistik & Transport stark verbreitet ist. Des weiteren standen Interim-Recruiting und Performance Marketing zur Auswahl, die von jedem vierten bzw. fünften Unternehmen genutzt wurden. Recruitment Process Outsourcing (RPO) fristet dagegen mit 12% Nutzung über alle Branchen hinweg eher ein Schattendasein.
Die Personaldienstleistungsbranche – mit ihrer über die letzten Jahre stark gewach-senen Diversifikation – spielt also weiterhin eine wichtige Rolle für Unternehmen und wird trotz oder gerade wegen der externen Unsicherheiten auf dem Markt aufgrund ihrer Spezialisierung und Flexibilität regelmäßig und bedarfsorientiert konsultiert.


Die Veränderungen nach Zielgruppen zeigen besonders deutlich, wie selektiv Recruiting aktuell gesteuert wird.
Der stärkste Rückgang betrifft branchenüber-greifend Berufseinsteiger:innen mit einem Netto-Wachstum von -38 % im Vergleich zum Vorjahr. Bei Tech-Unternehmen fällt dieser Rückgang mit -55 % sogar besonders drastisch aus.
Auch Führungskräfte und Quereinsteiger ent-wickeln sich insgesamt rückläufig. Demge-genüber halten sich oder wachsen vor allem Zielgruppen mit klar kalkulierbarem Risiko (Werkstudent:innen und Prak-tikant:innen) oder sofortigem Nutzen (Seniors). Letztere weisen mit durchschnittlich +8 % das posi-tivste Netto-Wachstum auf, vor allem in der Gesundheitsbranche (+15 %).
Unternehmen agieren also vorsichtiger bei breiten Neueinstellungen, investieren aber weiterhin in erfahrene Schlüsselprofile und in monetär und vertraglich günstige Nach-wuchsformate.


Als Reaktion auf die wirtschaftlichen Rahmen-bedingungen setzen Unternehmen vor allem auf interne Optimierung. Die mit Abstand häufigste Maßnahme, die in den letzten 12 Monaten verstärkt angegangen wurde, ist die Anpassung & Automatisierung von Recruiting-Prozessen mit 77 % – wenig überraschend dominiert hier der IT/Tech-Sektor mit 93 %.
Darüber hinaus sind bei fast der Hälfte der Teilnehmenden Retention-Maßnahmen im Fokus gewesen; alleine im Bereich Healthcare/ Life Sciences war dies bei 76 % der Unterneh-men der Fall.
Mit großem Abstand dahinter wurden die Themen Budget-Re-Allokation, verstärktes Projekt-Staffing von Freelancern und Zeit-arbeitnehmer:innen sowie Internal Staffing. Intensivierungen bezüglich Auslandsrekrutie-rung haben lediglich 17 % der Befragten angegeben.
Diese Grafik unterstreicht noch einmal die Ableitungen der vorigen Ergebnisse, beste-hende Recruiting-Strukturen durch Prozess-optimierungen und Mitarbeiterbindungs-programme produktiver und widerstands-fähiger zu gestalten.
Die Ergebnisse zeigen ein Recruiting-Markt-bild, das von Vorsicht, Priorisierung und struktureller Anpassung geprägt ist. Wirt-schaftliche Unsicherheiten wirken heute nicht mehr nur indirekt auf Unternehmen, sondern greifen tief in Budgetentscheidungen, Ziel-gruppenstrategien und Prozesse der Personal-gewinnung ein. Gleichzeitig wird deutlich, dass Unternehmen nicht einfach pauschal auf die Bremse treten: Sie investieren weiterhin - aber fokussierter, selektiver und mit klarerem Wirkungsanspruch.
Gleichzeitig verdeutlichen die Ergebnisse die unterschiedlichen Herausforderungen der einzelnen Branchen. Während Industrie, Logistik und Energie besonders stark von makroökonomischen Trends betroffen sind, zeigen sich Healthcare- und Tech-Unterneh-men vergleichsweise robust. Unabhängig von der Branche bleibt Recruiting jedoch ein entscheidender Erfolgsfaktor. Die Unterneh-men, die ihre Prozesse modernisieren, in Technologie investieren und ihre Personal-strategie flexibel anpassen, schaffen die besten Voraussetzungen, um auch in einem volatilen Marktumfeld erfolgreich Talente zu gewinnen und langfristig zu binden.
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